HER2-positiver Brustkrebs gilt als eine sehr aggressive Form und macht rund 20 Prozent aller Mammakarzinome aus. Sogenannte HER2-Rezeptoren, die das Wachstum anregen, kommen auf den Krebszellen besonders häufig vor, so dass der Tumor schneller wächst und häufiger Rezidive bildet als andere Krebsarten. Spezielle Antikörpertherapien können die Krebszellen jedoch zielgerichtet blockieren.

Indem man den Brustkrebs behandelt, bevor er sich ausbreitet, kann man einen Rückfall der Erkrankung eher verhindern und die Heilungschancen verbessern. Die neoadjuvante Behandlung setzt vor der Operation ein und hat das Ziel, den Tumor zu schrumpfen, so dass er chirurgisch leichter entfernt werden kann. Sie kann sogar eine sogenannte pathologisch komplette Remission erreichen: Das heißt zum Zeitpunkt der OP ist kein Tumorgewebe in Brust und Lymphknoten mehr nachweisbar. Die Prognose gilt dann als besonders günstig.

Zwei Antikörper wirken effektiver als einer

Bislang war in der neoadjuvanten Therapie eine Wirkstoffkombination aus Chemotherapie und einem Abwehrstoff zugelassen. Nachdem die Ergänzung um den zweiten Antikörper in gleich drei Studien zu signifikant besseren Ergebnissen führte, wurde die Antikörperkombination mit Chemotherapie seit 2015 in Europa eingesetzt. Jetzt hat Swissmedic auch für die Schweiz die Zulassung erteilt.

Die beiden Antikörper ergänzen sich in ihrer Wirkung: Sie binden zielgerichtet an verschiedenen Stellen an den HER2-Rezeptor und blockieren ihn auf unterschiedliche Art und Weise. Außerdem markieren sie die Tumorzellen, sodass das Immunsystem sie leichter erkennen und zerstören kann.

Der Hersteller ist führend in der Erforschung des HER2-Signalwegs und entwickelte auch den ersten Antikörper.

Dr. rer. medic. Nicole Lauscher
Freie Journalistin