Es ist ein doppeltes Leid, dass sehr viele Patientinnen mit fortgeschrittenem, metastasierendem Brustkrebs zu tragen haben: Sie leiden an einer meist tödlich verlaufenden Krankheit – und sie werden in dieser existentiell schwierigen Situation kaum wahrgenommen. Denn: Fast ein Drittel der Öffentlichkeit weiß sehr wenig über fortgeschrittenen Brustkrebs. Mehr als zwei Drittel sind sich nicht bewusst, dass Brustkrebs in diesem Stadium unheilbar und damit tödlich ist. Dies geht aus einer Umfrage in elf europäischen Ländern hervor, die von dem Pharmakonzern Novartis in Auftrag gegeben wurde.

Verständnis und Unterstützung

Die Umfrage ist Teil der paneuropäischen Kampagne „Here & Now“, die von führenden Experten unterstützt wird. Befragt wurden über 2.000 Menschen in folgenden Ländern: Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Schweden, die Niederlande, Dänemark, Italien, Österreich, Spanien, Griechenland und Polen. Susanne Schaffert, Head Region Europe Novartis Oncology, erklärt das Ziel der Initiative: “Indem wir ein grundlegendes Verständnis für die Erkrankung schaffen, können wir daran mitarbeiten, den Patientinnen die Unterstützung zukommen zu lassen, die sie benötigen.“

Die 50-plus-Frauen

Besonderen Fokus legt die Kampagne auf die häufig vergessene Gruppe der über 50-Jährigen, die den größten Teil der betroffenen Frauen ausmachen. Hierbei liegt die ungewöhnlich große Bedeutung, aber auch die Brisanz der Kampagne in ihrer erweiterten Perspektive: Sie lenkt den Blick nicht allein auf die Auswirkungen der Krankheit auf persönlicher Ebene, sondern auch auf gesellschaftlicher. Denn die betroffenen Frauen spielen in ihrem sozialen Umfeld eine ganz entscheidende Rolle – als Unterstützung in ihren Familien, lebenserfahrene Freundinnen, berufserfahrene Kolleginnen und vieles mehr. Ihre Erkrankungen haben somit auch einschneidende, negative Folgen im Leben vieler weiterer Menschen.

Große Bedeutung, geringe Hilfe

Doch selbst angesichts der starken Vernetzung dieser Frauen in ihrem sozialen Umfeld ist gerade die mangelnde Unterstützung dieses Kreises besonders bitter. Laut der Umfrage sagen mehr als zwei von fünf Frauen, dass die Unterstützung durch Familie und Freunde im Vergleich zum Zeitpunkt der Erstdiagnose nachgelassen hat. Und dies obwohl die Rolle dieser Frauen durchaus erkannt wird. So sagte die Hälfte aller Befragten, dass ihr eigenes Leben ohne die Unterstützung der über 50-jährigen Frauen leiden würde. Ebenfalls über die Hälfte aller Befragten gab an, dass diese Frauen ihnen im täglichen Leben mit Rat und Tat zur Seite stünden. Ein Widerspruch der betroffen macht. Denn wie nötig genau dieser Rückhalt wäre, weiss PD Dr. med. Thomas Ruhstaller vom Brustzentrum St. Gallen: „Diese Frauen benötigen immer wieder ambulante Therapien, dabei ist das Verständnis für die Erkrankung in ihrem Umfeld und auch in der breiten Bevölkerung ein wichtiger Aspekt.“

Versorgung verbessern

Ebenso traurig und letztlich auch inakzeptabel, wie die mangelnde Unterstützung des direkten Umfeldes, ist die mangelnde Versorgung dieser Frauen auf gesundheitlicher und beratender Ebene. Unglaubliche 70 Prozent der Frauen sagen, dass es schwierig sei, Selbsthilfegruppen für Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs zu finden. Im Gegensatz zu Frauen mit frühem Brustkrebs fühlen sie sich isoliert. Dazu Donatella Corbat, Präsidentin des Schweizer Brustkrebs-Forums EUROPA DONNA SCHWEIZ: „Um sicherzustellen, dass auch Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs eine ausreichende Unterstützung erhalten, müssen wir die Bewusstseinsbildung und das Verständnis für diese Krankheit in der Schweiz und in Europa fördern, um gemeinsam die Hürden auf dem Weg zur optimalen Patientenbetreuung zu meistern. Die "Here & Now"-Kampagne ist ein entscheidender Schritt für Veränderungen auf dem derzeitigen Gebiet des fortgeschrittenen Brustkrebses.“

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Silke Schuhmacher
freier Journalist
29.04.2014