Frau Liaudet verlor ihre unverwüstliche Zuversicht nicht. „Ein Arzt sagte mir, dass er als Mediziner zwar die Technik und die Medikamente bereitstellen könnte. Aber ich als Patientin müsste auch meinen Beitrag zur Therapie beisteuern und optimistisch bleiben. Und das fiel mir nicht schwer. Ich war schon immer ein positiv denkender Mensch.“

Noch im selben Monat unterzog sich Frau Liaudet einer Brust-Operation, es folgten die Chemotherapie und die Behandlung mit therapeutischen Antikörpern. Dieses Präparat wird verwendet, wenn der körpereigene, in der Zellmembran befindliche Rezeptor HER2 ein besonders schnelles Wachstum der Tumorzellen auslöst. Bei etwa 800 der 5.000 jährlich an Brustkrebs erkrankenden Frauen in der Schweiz ist dies der Fall. Das Medikament bindet diese HER2-Rezeptoren, wodurch der Tumor in seinem Wachstum gehemmt wird. Dadurch erhöhen sich die Chancen von Patientinnen mit HER2-positvem Brustkrebs auf ein krankheitsfreies Überleben.

Kleiner Einstich – grosse Wirkung

Die Chemotherapie – insgesamt 16 Eingriffe waren notwendig – hat Frau Liaudet in weniger guter Erinnerung. „Ich war da jedesmal drei oder dreieinhalb Stunden im Krankenhaus. Diese Zeit hat sich endlos hingezogen. Das war sehr belastend.“

Anders die Behandlung mit dem Antikörperpräparat. Das Medikament wurde ihr in einer Fixdosis subkutan (= unter die Haut gespritzt) verabreicht. Es waren keine Infusionen mehr notwendig.

Die neuartige Darreichungsform des Wirkstoffs per Injektion unter die Haut vereinfacht die Behandlung deutlich: Bis dahin wurde das Medikament mittels Infusion verabreicht. Dieses Vorgehen war zeitaufwendig und nervenaufreibend: Die langen Aufenthalte im Krankenhaus wirkten sich vielfach belastend auf die zu behandelnden Frauen aus.

Weniger Aufwand – weniger Belastung

Anders die neue subkutane Darreichung: Eine in der subjektiven Wahrnehmung harmlose, kleine Spritze ersetzt die Infusion und statt bis zu 90 Minuten dauert die Verabreichung der therapeutischen Antikörper nun nur noch maximal fünf Minuten.

„Das hat mir sehr gefallen“, erklärt Frau Liaudet. „Ich musste nicht so lange im Krankenhaus sein und konnte schneller wieder zurück zu meiner Familie. Dadurch habe ich mich auf jeden Fall wohler gefühlt.“

Die agile Rentnerin verbringt ihre Zeit gern in ihrem Garten, wandert viel und liebt es, die Enkel um sich zu haben. Die deutlich verkürzten Krankenhaus-Aufenthalte gaben ihr die Möglichkeit, ihr bisheriges Leben ungestört im gewohnten Umfeld fortzuführen. „Ich war glücklich“, bestätigt Frau Liaudet.

Ein Jahr lang dauerte die Behandlung. Der Krebs ist seither nicht mehr zurückgekehrt. „Mit meinen inzwischen 72 Jahren bin ich genauso glücklich und gesund wie vor meiner Erkrankung“, freut sie sich. „Es ist einfach wunderbar.“

Dr. phil. Bernhard Spring
Freier Journalist