Neben Systemtherapie und operativer Entfernung des Tumors ist die Strahlentherapie eine der drei wichtigen Säulen in der Brustkrebsbehandlung. Dabei wird mit einem sog. Linearbeschleuniger standardmässig die ganze betroffene Brust nach gesicherter Wundheilung nachbestrahlt. Bestrahlt wird „perkutan“, das heisst von aussen durch die Haut durch. Diese Ganzbrust-Bestrahlung erfolgt vielerorts in kleinen Tagesdosen, Montag bis Freitag, über circa fünf Wochen. Im Anschluss wird oftmals im ehemaligen Tumorbett eine Zusatzdosis, ein sogenannter „Boost“, mit weiteren fünf bis acht Fraktionen appliziert.


Gezielte hochdosierte Bestrahlung noch in der Narkose
Es gibt Bestrahlungsapparaturen, mit denen man bereits im Operationssaal – nach komplettem Entfernen des Tumors – das den Tumor umgebende Gewebe gezielt und hochdosiert bestrahlen kann. Diese Region enthält möglicherweise noch verbliebene, jedoch für das menschliche Auge nicht sichtbare Tumorzellen und birgt daher ein grosses Risiko für das Wiederauftreten des Brustkrebses. Viele Institute, die die technische Möglichkeit für eine intraoperative Bestrahlung IORT haben, setzen diese gezielte Bestrahlung als vorgezogenen Boost ein, gefolgt von der üblichen Ganzbrustbestrahlung. „Hier in Zürich verwenden wir für die IORT das Intrabeam®“, erklärt PD Dr. med. Günther Gruber, Leiter des Instituts für Radiotherapie der Klinik Hirslanden. Die hochdosierte Bestrahlung erfolgt dabei mit einem kugelförmigen Applikator, der eine Röntgenquelle enthält und direkt in die Wundhöhle des ehemaligen Tumorareals eingesetzt wird. Dabei muss das Brustgewebe eng an der Oberfläche des Kugelapplikators anliegen, was mit Hilfe von Haltefäden erreicht wird. Bestrahlt wird mit niederenergetischen Röntgenstrahlen, die einen starken Dosisabfall aufweisen. An der Applikatoroberfläche kann dadurch eine hohe Dosis gegeben werden. In ein bis zwei Zentimeter Abstand beträgt diese nur noch circa ein Viertel. Für den übrigen Körper muss deshalb nicht mit Nebenwirkungen gerechnet werden. Noch während der Narkose kann durch die IORT zielsicher bestrahlt werden, auf die Zusatzbestrahlung, den Boost kann dann verzichtet werden. Die Gesamtbestrahlungsdauer wird so um circa eineinhalb Wochen verkürzt.

„Die IORT bei der Brustbestrahlung ist noch eine relativ neue Methode, Langzeitergebnisse aus grossen Studien liegen deshalb noch nicht vor. Die bisherigen Studienergebnisse sind mit ein bis zwei Prozent lokalen Rückfällen nach fünf Jahren exzellent“, so Dr. Gruber.


Ersetzt die IORT die Ganzbrustbestrahlung
Studien beschäftigen sich auch mit der Frage, ob nach einer IORT gegebenenfalls auf die zusätzliche Ganzbrustbestrahlung verzichtet werden kann.

Obwohl die ersten Ergebnisse vielversprechend sind, kann dies aufgrund der eingeschränkten Nachbeobachtungszeit noch nicht definitiv beantwortet werden. Anzumerken ist, dass der eventuelle Verzicht auf die Ganzbrustbestrahlung bei Patientinnen mit vermeintlich niedrigem Rückfallrisiko geprüft wurde.

Ob dies wirklich der Fall ist, kann aber oft erst nach genauer Analyse des Tumorgewebes abgeschätzt werden.

„Unabdingbar ist die gute Zusammenarbeit des Brustchirurgen und des Strahlentherapeuten. Sollten Patientinnen an dieser Methode Interesse haben, empfehle ich unbedingt eine Beratung bei beiden“, rät Dr. Gruber. Ablauf, Vorteile, aber auch eventuelle mögliche Nebenwirkungen der IORT müssen genauso wie bei der herkömmlichen Bestrahlung mit der Patientin im Detail besprochen werden.

Karin Storz
Freie Journalistin
Experten Prognose: 
Die intraoperative Radiotherapie (IORT) wird in Zukunft häufiger angewendet werden. In der Schweiz gibt es bereits heute einige Zentren mit dieser Möglichkeit der Brustkrebsbestrahlung.