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„Jetzt habe ich eine zweite Chance“

Aus einer schweren Krise während ihrer Chemotherapie zieht Marion Lottko* (46) heute eine beruhigende Erkenntnis

Auf einem schweren Weg scheint die Zeit oft still zu stehen. Kaum vorstellbar ist es dann, jemals wieder aus der Krise herauszufinden. Zum Glück bleibt dies oft nur eine Momentaufnahme im Gesamtbild eines Lebens. „Ich bin erstaunt wie schnell man vergessen kann“, sagt Marion Lottko* eineinhalb Jahre nachdem bei ihr Brustkrebs diagnostiziert wurde. „Für mich fühlt es sich an, als sei das schon sehr lange her. Auch wenn ich noch nicht wieder ganz so belastbar bin wie früher: Generell bin ich sehr glücklich, dass ich alles gut überstanden habe und wieder ganz gesund bin.“

"Ich sah eine kleine Delle"

Es war damals kurz vor Weihnachten, Marion Lottko wollte gerade duschen. Doch als sie sich im Bad umdrehte und dabei in den Spiegel schaute, war da etwas, das sie irritierte: „Auf der linken Brustseite sah ich eine kleine Delle. Keine Beule, sondern eine 'Einbuchtung'. Aber ich hatte einfach gerade keine Zeit, zum Arzt zu gehen, verschob es immer wieder. Im März ging ich dann zu meiner Frauenärztin. Sie sagt gleich, dass da etwas nicht stimmt. Die Mammografie am selben Tag ergab kein klares Ergebnis. Erst nach Erhalt der Biopsieergebnisse war klar, dass es mehrere bösartige Tumore waren.“ Natürlich war es ein Schock für die verheiratet Notariatsassistentin: „Ich hatte das überhaupt nicht erwartet, weil es in unsere Familie noch nie Brustkrebs gegeben hatte.“

"Grübeln zermürbt nur"

Schon drei Wochen nach ihrem Arztbesuch wurde Marion Lottko im Spital operiert. „Ich ging die Dinge schon immer pragmatisch an, schiebe nichts gern hinaus“, erklärt sie. „Natürlich habe ich viel darüber gelesen. Ich wollte schon wissen, was auf mich zukommt, damit ich damit umgehen kann.“ Oft wendet man in einer existentiellen Krise ähnliche Strategien an, wie schon früher im Leben: „Ich versuche immer aus allem das Positive zu ziehen. Es bringt nichts, wenn man grübelt und sich die Frage nach dem Warum stellt. Das zermürbt nur.“

Vor der Operation besprachen die Ärzte mit ihrer Patientin alle Möglichkeiten der Brustentfernung und Rekonstruktion. „Gemeinsam entschieden wir uns für die Brustentfernung mit Erhalt der Haut, aber Verkleinerung des Hautmantels“, erklärt Dr. Nik Hauser, Chefarzt der Frauenklinik am Kantonsspital Baden und Leiter des zertifizierten Brustzentrums. „Die Brustwarze wurde aus Sicherheitsgründen mit entfernt und alles Drüsengewebe hinter der Brustwarze auch. Die Brustwarze wurde dann als dünnes Hauttransplantat wieder zurücktransplantiert. Es erfolgte gleichzeitig die sofortige Rekonstruktion mit einem Silikonimplantat.“ Auch wenn alles ohne Komplikationen für Marion Lottko ablief: „Es war natürlich trotzdem ein Einschnitt für mich. Das Gefühl ist nicht mehr dasselbe...“, erklärt sie.

"Es ging mir hundeelend"

Doch als „Krise“ beschreibt sie eine Phase, die erst nach der Operation kam: „Die schlimmste Zeit war die in der Mitte der Chemotherapie.“ Eine Infektion nahm ihr alle Kräfte. „Auf gut Deutsch gesagt, ging es mir hundeelend. Das war der einzige Moment, in dem ich gesagt habe: Wenn ich jetzt sterben müsste, dann ist es einfach so, mir ist es jetzt egal“, sagt sie heute lachend. Es war eine Grenzerfahrung, die ihre Sicht auf das Ende des Lebens veränderte: „Was ich daraus für mich ziehe, ist jetzt tröstlich: Wenn man einmal sterben muss – und ich lebe wirklich sehr gern – dann wird man sehr, sehr müde sein. Es ist dann gar nicht mehr so schlimm, zu gehen.“

Von der letzten Chemotherapie vor einem knappen Jahr hat sie sich wieder gut erholt. Nur sportlich ist sie noch nicht wieder ganz so belastbar wie früher.“ Nach der Chemotherapie begann die Antihormontherapie, mindestens fünf Jahre wird sie dauern. Nur anfangs gab es ein paar Schwierigkeiten, im Gewebe sammelte sich Wasser an. „Jetzt sind es wohl auch die Wechseljahre die mir zu schaffen machen. Meine Schleimhäute sind sehr, sehr trocken. Und ich habe drei, vier Kilo zugenommen. Damit kämpfe ich ein bisschen. Ich will wieder schlank sein. Für mich gehört nun mal zur Lebensqualität, dass ich mich in meinem Körper wohl fühle.“

"Das Ergebnis ist sehr schön"

Der Wohlfühlfaktor war durchaus ein wichtiger Grund für Marion Lottkos Entscheidung, die rechte Brust auch operieren zu lassen. Einerseits vorbeugend, aber auch aus optischen Gründen. Ihre linke Brust war ja nun kleiner als die rechte. „Die Brüste sahen einfach nicht gleich aus, ich hatte ja eine relativ große Oberweite. Aber jetzt mit dem Silikon ist wieder alles am richtigen Platz. Das Ergebnis ist wirklich sehr schön“, freut sie sich.
Mit ruhiger, fester Stimme fasst Marion Lottko ihre Erfahrungen mit dem Brustkrebs zusammen. „Heute sehe ich das so: Ich habe eine zweite Chance. Ich lebe viel intensiver, bin fast mehr unterwegs als vorher. Mir ist jetzt bewusster, dass meine Zeit hier nicht endlos ist.“

* Name geändert

Dr. Kai Kaufmann
freier Journalist

zur Person

Dr. Nik Hauser

Klinischer Direktor Brust Zentrum Hirslanden Klinik Aarau

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„Ich sagte mir: Ja, okay.“

Für Julia Jansen* (68) war ihre Erkrankung kein Drama

„Gut, dass wir diesen Termin noch gefunden haben“, sagt Julia Jansen* bei der Begrüßung. Sie ist schon wieder auf dem Sprung. Griechenland-Urlaub. Kreta. Übermorgen geht’s los. Wenn unser Gespräch nicht wäre, sie würde sicher keinen Gedanken verschwenden an die Tage der Urlaubsvorbereitungen im Oktober vor drei Jahren. Damals sollte es nach Lanzarote gehen. „Ich hatte da so ein Zwicken in der Brust festgestellt und ließ selber eine Mammografie machen. Der Befund: Brustkrebs. Da hab ich mir gesagt: Ja, okay. Dann ist es nun mal so. Zuerst geh’ ich jetzt noch in die Ferien, sagte ich mir. Und dann zum Hausarzt.“ Genau so tat sie es auch.

„Die OP verlief super“

„Mein Hausarzt hat mich dann eingewiesen und ich bin operiert worden. Die OP ist super verlaufen.“ So kurz und knapp fasst Julia Jansen es zusammen. Abgehandelt. Vorbei. Auch wenn sie natürlich noch das Medikament für die Antihormontherapie nimmt. Zweieinhalb Jahre wird sie die Femara-Tabletten (Letrozol) noch nehmen. „Aber ich merke ja überhaupt keine Nebenwirkungen. Kein Kribbeln oder irgendwas. Nichts,“ sagt sie. Selbst die Ärzte verstehen nicht, weshalb sie null Nebenwirkungen spürt. Und ihre Freunde können ihre Gelassenheit kaum fassen. „Mir geht’s einfach sehr gut“, sagt sie.

„Meine Brust sieht aus wie vorher“

Es klingt alles so einfach bei ihr. „Ja, ich hab’ mir auch keine großen Sorgen gemacht. Mein Beruf als Krankenschwester fand ja im Spital statt. Ich habe Operationen bis zum Geht-nicht-mehr gesehen. Vormittags OP-Saal, nachmittags Röntgenologie“, erklärt Julia Jansen. Bei ihrer eigenen OP wurde dann ein Sechs-Zentimeter-Tumor entfernt, ihre Brust blieb dabei erhalten. „Meine Brust sieht aus wie vorher. Alles ist wunderbar“, freut sich die ältere Dame noch heute. Vor der Operation hatte sie entschlossen gesagt: „Es ist mir egal, wie die Brust nachher aussieht – wichtig ist, dass alles draußen ist. Nehmt eher zu viel als zu wenig raus.“

„Sie ist alles andere als ein Einzelfall“

Bei der OP wurde noch eine Wächterlymphknotenbiopsie gemacht, um festzustellen, ob sich der Tumor schon in die Lymphknoten der Achselhöhle ausgebreitet hatte. Ihr Chirurg Dr. Knauer erklärt: „Es wird dabei mit einer leicht radioaktiven Substanz der erste Lymphknoten markiert, der Tumorzellen „abbekommen“ würde. Dieser wird gezielt entfernt und untersucht.“ Der Tumor hatte sich nicht weiter ausgebreitet. Und damit ist Julia Jansen alles andere als ein Einzelfall: „Eine Erkennung im Frühstadium ist heutzutage zum Glück eigentlich die Regel – sei es durch Selbstuntersuchung oder auch durch die Screening-Mammografie. Die Tumoren werden früher erkannt und können wesentlich besser bzw. schonender – z.B. ohne Chemotherapie – behandelt werden“, erklärt Dr. Knauer.

„Ich bin gesund“

Es folgte ein weiterer mutiger Schritt von Julia Jansen. Die empfohlene Chemotherapie hat sie abgelehnt: „Warum hätte ich das machen sollen? Ich bin gesund und mache mich doch nicht krank!“ Für sie war das ganz selbstverständlich. Kein Einspruch von ihrem Arzt: „Wir schätzen mündige Patienten absolut. Patienten, die nach entsprechender Aufklärung über Vor- und Nachteile auch aktiv mit entscheiden“, erklärt Dr. Knauer.

Nicht für jeden sind solche Entscheidungen leicht. Das ist auch der alleinstehenden Julia Jansen bewusst: „Ich weiß ja nicht, was ich gemacht hätte, wenn ich jünger wäre und eine Familie hätte. Aber so bin ich ja nur für mich allein verantwortlich. Ich bin einfach nur froh, dass ich die Chemo nicht gemacht habe.“

„Ich mach’ mir keine Sorgen“

Hat sie denn gar keine Angst vor einem Rückfall? „Ich mache mir keine Sorgen. Absolut nicht.“ Und wenn sie das sagt, dann klingt es kein bisschen nach Verdrängung. Eher nach ihrer eigenen Philosophie. Einer Liebe zum Leben. Voller Gelassenheit, die jede Wendung des Lebens akzeptiert. „Ich bin nicht sonderlich religiös. Aber für mich ist es so: Als ich auf die Welt kam, da war schon alles bestimmt – wann, wie und wo ich wieder gehen werde. Das ist meine Überzeugung. Jetzt werde ich 69. Ja, wenn es Gott will, lebe ich gerne so lange es mir gut geht. Und nachher würde ich dann sehr gern einfach so gehen...“

Nun muss sie aber langsam wieder loslegen mit ihren Urlaubsvorbereitungen. Julia Jansen hat sich die Kreta-Reise zum bevorstehenden Geburtstag geschenkt. Und jedes Reiseutensil, das sie nun zurechtlegt, wirkt wie ein Symbol für das Credo: Man muss sich selber feiern – und das Leben. Selbst wenn es mal sehr schwer fällt. Grund dafür gibt es immer. Jeden Tag.

*Name von der Redaktion geändert

Dr. Kai Kaufmann
freier Journalist
24.07.2014

zur Person

PD Dr. med. Michael Knauer

PD Dr. Michael Knauer, Leitender Arzt/Leiter Brustchirurgie, Facharzt für Chirurgie

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„Der Krebs, das bin nicht ich“

Bei Birgit Steiner (34) liegt Brustkrebs in der Familie

„In unserer Familie gab es viele Frauen, die an Brustkrebs erkrankt waren. Auf väterlicher Seite waren fast alle irgendwann betroffen. Vor vier Jahren erkrankte dann meine Tante“, erzählt Birgit Steiner*. Natürlich machte sie sich damals Sorgen, dass auch sie selbst Trägerin der BRCA-Mutation sein könnte. Ein Gendefekt, der das Risiko einer Brustkrebserkrankung bis auf 80 Prozent erhöhen kann. Aber ihr Frauenarzt beruhigte Birgit Steiner. „Für ihn waren diese Fälle verwandtschaftlich zu weit entfernt“, erklärt sie.

„Ich sah es pragmatisch“

Ein Dreivierteljahr später, kurz nach der Geburt ihres zweiten Sohnes, kam plötzlich Birgit Steiners eigene Brustkrebsdiagnose. Bei einer Vorsorgeuntersuchung wurde der Tumor entdeckt. „Anfangs war der Krebs schon ein Schock. Aber es hieß, der Tumor sei noch ganz klein“, erinnert sie sich. „Wir waren gerade im Urlaub und es ging mir sehr gut. Mir war klar, ich gehe bald ins Spital und ab dann bin ich krank. Dann hab’ ich Schmerzen und die Chemo wird kommen. Ich hab’ es tatsächlich so pragmatisch gesehen.“ Auch wenn sie wusste, sie war nicht gesund – es fühlte sich doch anders an. „Es war irgendwie unwirklich. Ich konnte ja noch wandern, Sport machen...“, sagt die Verlagskauffrau.

„Der Tumor war 4,5 cm groß“

Nach weiteren Untersuchungen wurde deutlich, dass die ganze rechte Brust betroffen war. „Bei der OP zeigte sich dann, dass der Tumor 4,5 cm groß war“, sagt sie. Als man ihn entfernte, konnte man die Haut retten, was wichtig für den Wiederaufbau der Brust war. Weil aber nicht ganz klar war, ob eine Chemotherapie folgen würde, baute man die Brust nicht in derselben OP wieder auf. Birgit Steiners Chirurg Dr. Knauer erläutert: „Wenn man direkt die endgültige Prothese einsetzen und diese dann bestrahlen würde, gibt es sehr häufig Komplikationen wie Kapselbildungen und somit schlechte kosmetische Ergebnisse.“ Deshalb wurde zunächst ein Expander eingesetzt, damit die Haut sich bis zum Wiederaufbau nicht zurückziehen würde. Später wurde vorsorglich dann auch ihre linke Brust entfernt, denn ihr Gendefekt könnte auch sie erkranken lassen.

„Plötzlich war die Brust weg“

Auch wenn es eine schwere Zeit war, Birgit Steiner verlor selten die Ruhe: „Ich ließ es nicht so an mich herankommen. Ich hab’ alles auf mich zukommen lassen.“ Und wenn sie das sagt, klingt es sehr gesund. So als akzeptiere sie die Tatsachen, ohne Kraft zu vergeuden. „Ich sagte mir: Der Krebs, das bin nicht ich. Er ist kein Teil von mir. Das ist mein Körper – und mein Geist ist etwas anderes. Obwohl ich gar nicht spirituell bin“, erklärt Birgit Steiner. „Nach der OP war es schon merkwürdig: Plötzlich war meine Brust weg. Doch die Erleichterung war größer, dass der Tumor draußen war und die Haut gerettet werden konnte.“

„Ich sagte es allen“

Sie ging immer offen mit dem Thema Krebs um: „Ich habe es allen gesagt. Im Verlag, im Freundeskreis, überall. Und ich bekam viel Unterstützung, allen voran von meinem Mann,“ sagt Birgit Steiner. Auch ihrem siebenjährigen Sohn Jonas* erklärte sie alles: „Immer wenn etwas Neues bevor stand, hab’ ich es ihm gesagt. Er wollte auch alles sehen und verstehen, was da passiert. Jonas hat natürlich gemerkt, dass Mutti oft nicht so richtig funktioniert. Aber es war immer jemand zuhause für ihn da – auch wenn ich weg war. Das war mir sehr wichtig.“

In der zweiten Phase der Chemotherapie gingen ihr dann die Wimpern und Augenbrauen aus. „Das hat mir doch sehr heruntergezogen“, sagt Brigit Steiner. „Nach den letzten Chemos konnte ich mich gar nicht mehr ablenken. Ich machte jedes Problem zu meinem – das der Nachbarn, der Freunde, einfach alles... Körperlich normalisierte es sich nach drei Wochen immer wieder, nur eben nicht psychisch.“ Doch schon wenige Besuche bei einem Psychotherapeuten halfen ihr, mit den Ängsten besser umzugehen.

„Ich gewann meine Weiblichkeit zurück“

Die Phase des Brustwiederaufbaus mit Eigengewebe war ein Riesenschritt nach vorn: „Mit dem Wiederaufbau gewann ich auch einen großen Teil meiner Weiblichkeit zurück“, sagt Birgit Steiner noch heute erleichtert. „Den Wiederaufbau sahen wir auch immer als eine Art "Belohnung" für die schwere Therapiezeit. Wir wussten, wenn alles durchgestanden ist, werde ich nach allen Mitteln der medizinischen Kunst wieder so "hergestellt", wie ich vorher war. Das half mir nicht nur einmal über schwere Stunden hinweg.“

Wie geht es nun weiter? Zehn Jahre Antihormontherapie liegen nun noch vor Birgit Steiner. Doch bislang sind ihre Nebenwirkungen „nur“ wie typische Wechseljahresbeschwerden. „Eine weitere therapeutische Konsequenz wäre eine mögliche Entfernung der Eileiter und Eierstöcke, da auch hier ein deutlich erhöhtes Risiko besteht. Aber dann hätte Frau Steiner alles gemacht, um ihr Risiko zu senken“, erklärt Dr. Knauer.

Birgit Steiner wirkt fast selber überrascht, wenn sie am Ende unseres Gesprächs sagt: „Heute auf die Monate der Operation und Chemotherapie zurückzublicken, das fällt schwerer, als mitten drinnen zu stecken.“

*Name von der Redaktion geändert

Dr. Kai Kaufmann
freier Journalist
10.07.2014

zur Person

PD Dr. med. Michael Knauer

PD Dr. Michael Knauer, Leitender Arzt/Leiter Brustchirurgie, Facharzt für Chirurgie

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Leben mit Knochenmetastasen

Der Weg einer Patientin durch die Krankheit

Die Krankheit schlug unerbittlich und schnell zu. In den Sommerferien hatte sie plötzlich starke Rückenschmerzen, konnte sich nicht mehr richtig bewegen und kaum mehr bücken. „So etwas kannte ich gar nicht“, erzählt die Patientin*, eine drahtige, sportliche Frau. Nach den Ferien erhielt sie dann die niederschmetternde Diagnose: Knochenmetastasen! „Nichts war mehr so wie früher.“ Dass es gerade sie treffen könnte, dachte sie nie; sie war erblich nicht vorbelastet. Die Verhärtung in der Brust war ihr nicht aufgefallen, ebenso wenig wie der Knoten unter dem Arm.


Loslassen und auf den Körper eingehen

„Ich habe nur kurz daran gedacht, dass meine Krankheit eigentlich unheilbar ist“, sagt die frühere Arzthelferin. Klar habe sie extreme Tiefs gehabt und manchmal geweint. „Relativ schnell habe ich dann aber beschlossen, die Krankheit anzunehmen. Nicht mit dem Schicksal zu hadern, loszulassen und auf den Körper einzugehen, hat mir Kraft verliehen“, erklärt die 58-Jährige, von der man sagt, sie habe eine starke Persönlichkeit.

Geholfen hat ihr, dass Lunge, Leber und Nieren frei von Metastasen sind. Und dass sie viel über Psychologie weiss. „Ein Stück weit kann man selber beeinflussen, wie gut es einem geht.“ Wichtig sei natürlich die Unterstützung durch das private und berufliche Umfeld. Und sowohl bei ihrem Hausarzt wie auch bei Dr. med. Rudolf Morant im Tumorzentrum Rapperswil fühlte sie sich sehr gut aufgehoben. „Mir hat nie ein Arzt gesagt, meine Krankheit sei hoffnungslos oder nicht behandelbar.“


Erste Behandlung hat gewirkt

Die Rückenschmerzen hat sie mit morphinhaltigen Schmerzpflastern und Schmerzmitteln behandelt. Gleichzeitig wollte sie sofort gegen die Krankheit ankämpfen und „alles tun, was nötig ist.“ Ihr wurde eine Chemotherapie im Abstand von drei Wochen verordnet. Zudem erhielt sie eine Injektion zum Schutz der Knochen vor einem weiteren Abbau durch Metastasen. „Ich hatte ein riesiges Glück, dass bereits die erste Behandlung angeschlagen hat.“ Die Rückenschmerzen klangen ab, die Verhärtung in der Brust wurde kleiner.

Doch Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Verdauungsprobleme, Haarausfall und Müdigkeit haben ihr stark zugesetzt. „Der eigene Körper wird einem fremd.“ Tagebuchschreiben, Meditationen und Bewusstseinsübungen haben ihr geholfen, die Nebenwirkungen der Chemo zu verarbeiten. Und sich vorzubereiten auf die Operation, bei der sie eine Brust verlieren wird. „Ich vertraue auf eine gute Rekonstruktion.“ Was aber nicht heisst, dass sie sich der Medizin ausliefern will. So hat sie zum Beispiel „wegen eines negativen Gefühls im Bauch“ den Chirurgen gewechselt. „Wichtig ist, bei der Therapie mitzuhelfen und auch selber Verantwortung zu übernehmen.“

Rolf Zenklusen
Freier Journalist

15. Januar 2014

* Auf Wunsch der betroffenen Person wurde der Beitrag anonymisiert.

Wir bedanken uns für die Schilderung Ihrer persönlichen Erlebnisse.

zur Person

Dr. med. Rudolf Morant

Dr. Rudolf Morant ist Facharzt FMH für Onkologie-Hämatologie. Medizinischer Leiter des Tumorzentrums ZeTuP St. Gallen, Rapperswil und Chur, eine Gruppenpraxis mit sieben medizinischen Onkologen, Chirurgin (Mammachirurgie) und zwei Gynökologen/Gynäkologin mit Forschungsteil.

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