Die Studien HannaH, SafeHer und PrefHer belegen, dass die subkutane Verabreichung des HER2-gerichteten Antikörpers wesentlich schneller durchgeführt werden kann als die bisherige Darreichung mittels Infusion. Während letztere bis zu 90 Minuten in Anspruch nimmt, lässt sich die Injektion des Präparats in höchstens fünf Minuten umsetzen.

Mehr Wohlbefinden dank kürzerer Therapiedauer

„Medizinisch sind beide Formulierungen gleichwertig“, bestätigt PD Dr. Nik Hauser, Klinischer Direktor Brust Zentrum Hirslanden Klinik Aarau (AG) die vorliegenden Studienergebnisse. Jedoch kann die subkutane Darreichung „eine Zeitersparnis bei der Applikation bedeuten.“

Diesen Aspekt sieht auch Dr. med. Olivia Pagani vom Istituto Oncologico della Svizzera Italiana in Bellinzona (TI) als starkes Argument für ein Injizieren des Antikörpers: „Studiendaten zeigen, dass die Patientinnen die subkutane Formulierung bevorzugen.“ Die Medizinerin vermutet die Gründe hierfür in den persönlichen Lebensumständen der Erkrankten: Die schnell durchgeführte Injektion lässt sich unkomplizierter in den Lebensalltag der betroffenen Frauen integrieren, zudem werden sie weniger stark aus ihrem sozialen Umfeld gerissen.

Dr. med. Khalil Zaman vom Département d’oncologie des Centre hospitalier universitaire vaudois in Lausanne (VD) führt noch einen weiteren Vorzug der subkutanen Behandlungsform an: „Ich kann mir auch vorstellen, dass sich Patientinnen subjektiv weniger krank fühlen, wenn die Behandlung subkutan statt intravenös erfolgt.“ Auch dieser Umstand kann zum Wohlbefinden von an HER2-positivem Brustkrebs erkrankten Frauen beitragen, weshalb sich Dr. Zaman sicher ist, dass „mit der Zeit die subkutane Formulierung zum Standard wird.“

Doch nicht nur für die Patientinnen, auch für die Betreuungspersonen stellt die neue Darreichungsform des Präparats eine enorme Erleichterung dar, da „organisatorisch mehr Patientinnen aufgenommen und behandelt werden können“, wie Dr. Pagani betont. „Vor allem in stark ausgelasteten Kliniken kann dies einen grossen Unterschied machen.“

Weniger Begleitschmerzen bei Injektion

Der humanisierte monoklonale Antikörper, der wachstumshemmend auf die Tumorzellen einwirkt, wird von einem Schweizer Pharmaunternehmen angeboten, das international zu den Konzernen mit den höchsten Ausgaben für Forschung und Entwicklung zählt. Seit der Zulassung des Medikaments im Jahr 1998 wurden 1,2 Millionen an HER2-positivem Brustkrebs erkrankte Frauen mit diesem Präparat therapiert.

„Grundsätzlich“, so Dr. Zaman, „können alle Patientinnen, die diese Antikörper-Therapie bei frühem Brustkrebs benötigen, mit der subkutanen Formulierung behandelt werden.“ Auch in Kombination mit einer intravenös durchgeführten Chemotherapie kann der Wirkstoff durch eine Injektion verabreicht werden, sodass die Therapie ganz nach den Bedürfnissen der Patientinnen gestaltet werden kann, ohne dass sich aus dieser Wahlfreiheit der Darreichungsform irgendein medizinischer Nachteil ergäbe.

Besonders die PrefHer-Studie aus dem Jahr 2013 zeigt auf, dass Frauen, denen das Präparat subkutan gegeben wurde, seltener über Schmerzen oder Reizungen klagten als bei der herkömmlichen Zufuhr des Medikaments per Infusion. Dennoch gehört es zum medizinischen Standard, die Patientinnen nach der ersten Injektion etwas länger zu beobachten, „falls Injektionsreaktionen auftreten“, erklärt PD Dr. Hauser.

Ein vager Ausblick in die Zukunft

Die Zulassung der subkutanen Verabreichung des Wirkstoffs durch die Schweizerische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Heilmittel (Swissmedic) weckt grosse Hoffnungen auf noch patientenfreundlichere Therapiemöglichkeiten: Weil aktuell die Belastung für Patientinnen und Klinikpersonal deutlich reduziert werden kann, sehen führende Onkologen und Gynäkologen die subkutane Darreichung des Antikörpers sich schnell als Standard etablieren.

Dr. phil. Bernhard Spring
Freier Journalist