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Nebenwirkungen während der Therapie

Wie stark beeinflussen Nebenwirkungen die Therapietreue?

Verschiedene Therapien, verschiedene Nebenwirkungen

Prof. Dr. med. Daniel Fink, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie am Universitätsspital Zürich, erklärt, dass im Rahmen einer Krebsbehandlung zwei Formen an Nebenwirkungen auftreten können: (1) akute Nebenwirkungen, welche während oder kurz nach der Behandlung erscheinen, und (2) späte Nebenwirkungen, die erst Monate oder Jahre später nach der Therapie auftreten. Das Ausmass der Nebenwirkungen wird dabei von der Therapieart und der Höhe der Therapiedosierung beeinflusst. So kann beispielsweise eine Chemotherapie neben den akuten unerwünschten Wirkungen auch dauerhafte Folgen auf die Gesundheit mit sich bringen. Übelkeit, Erbrechen und Haarausfall können einige der Begleitsymptome einer Chemotherapie sein, so Prof. Fink, die von den Betroffenen als stark emotional und psychisch belastend empfunden werden. Im Gegensatz dazu treten bei einer Hormontherapie, die laut Prof. Fink in der Regel gut verträglich ist, meist nur akute Nebenwirkungen wie Gelenks- und Muskelschmerzen oder Hitzewallungen auf, die nach Beendigung der Therapie wieder abklingen.


Wenn Frau nicht mehr „mag“

Mangelnde oder fehlende Therapietreue wird nicht nur durch die unerwünschten Nebenwirkungen beeinflusst, sondern auch durch andere Faktoren wie die Komplexität der Behandlung, die Beziehung zum Arzt, der Nutzen der Behandlung aus Sicht der Betroffenen, das soziale Umfeld und die Kosten der Therapie. Es ist daher sehr wichtig, dass der behandelnde Arzt und die Pflegefachperson die auftretenden Nebenwirkungen Ernst nehmen, sagt Prof. Fink. In vielen Behandlungszentren werden heute regelmässige Beratungstermine durch den Arzt oder durch eine speziell ausgebildete Pflegefachperson angeboten, die Betroffene unbedingt nutzen sollten. In diesen Gesprächen können Fragen und Probleme rund um die Therapie mit Fachpersonen geklärt werden. Als Betroffene erhält man wertvolle Informationen aus erster Hand über die Behandlung, Tipps im Umgang mit der Krankheit und einen persönlichen Ansprechpartner, im Falle von Problemen mit der Therapie oder Krankheit.


Therapien im Wandel der Zeit

„In den letzten Jahren konnte die Prognose für Brustkrebs durch immer mehr individualisierte Therapien verbessert werden“, erklärt Prof. Fink. Die heutige Forschung entwickelt immer mehr Möglichkeiten für eine individualisierte Therapie. Mit dieser Auswahl kann gezielt auf das jeweilige Krankheitsbild eingegangen werden, was die Chance einer erfolgreichen Therapie erhöht. Zusätzlich konnten grosse Fortschritte in der Behandlung der Nebenwirkungen erzielt werden: Mittels verschiedenen Medikamenten gelingt es, den Nebenwirkungen gezielt entgegenzuwirken oder diese zu reduzieren. Dies hat zwei Vorteile: Zum einen macht es die Therapie erträglicher und zum anderen erleichtert es die Therapietreue enorm, was für eine erfolgreiche Krebsbehandlung wichtig ist.

Susanne Schick
Freie Journalistin

zur Person

Prof. Dr. med. Daniel Fink

Prof. Daniel Fink ist Chefarzt der Klinik für Gynäkologie im Universitätsspital Zürich. 

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Hormonelle Entzugssymptomatik

Komplementäre Behandlungsmöglichkeiten bei Beschwerden

Die häufigsten Symptome sind Wallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen sowie die vaginal Trockenheit mit häufigen Entzündungen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

Auch wenn diese Beschwerden bezüglich Intensität von den Frauen sehr individuell erlebt werden, können sie die Lebensqualität massiv beeinträchtigen.

Die Behandlung dieser sogenannten „Entzugssymptomatik“ auf nichthormoneller Basis ist vielfältig und leider nicht immer erfolgreich. Primär empfiehlt sich ein stufenweises Vorgehen zu wählen:

Die Anpassung des Lebensstiles an die veränderte hormonelle Situation steht dabei im Vordergrund (Kleidung im Zwiebellook, Normalgewicht, Vermeidung von Auslösern von Wallungen: Alkohol und scharfe Gewürze). Regelmässige körperliche Aktivität kann das Auftreten von Wallungen nachgewiesenermassen reduzieren. Gleichzeitig hilft der Sport ein normales Körpergewicht einzuhalten und wirkt der Osteoporose, einer Spätfolge des Hormonentzugs, entgegen. Besonders empfehlenswert können Yoga oder das Erlernen anderer Entspannungstechniken wie Meditation, Tai chi etc. sein. Die Komplementärmedizin kann durchaus in professionellen und erfahrenen Händen einen Platz in der Behandlung der Menopausesymptomatik haben. Es gibt Daten, dass Akupunktur erfolgreich gegen Wallungen eingesetzt werden kann.

Von medikamentöser Seite bieten sich folgende Substanzen an:

  • Traubensilberkerze (Cimifemin, Climavita)
    Hilft in 70% gegen Wallungen. Die Wirkung ist dosisabhängig (Climavita forte, Cimifemin uno).

  • Johanniskraut (Rebalance, Deprivita, Jarsin...)
    Hilft bei Stimmungsschwankungen, kann auch mit Traubensilberkerze kombiniert werden.
    Achtung bei Kombination mit anderen Medikamenten, immer mit behandelndem Arzt absprechen!
    Kann evtl. Nebenwirkungen von Tamoxifen verstärken!

  • Antidepressiva (Efexor, Deroxat, Citalopram)
    Gute Wirkung bei Wallungen und auch Stimmungsschwankungen.
    Sollten nicht mit Tamoxifen kombiniert werden, da sie den Effekt von Tamoxifen mindern können!
    (Ausnahme Efexor)
    Können teilweise sexuelle Lust (Libido) reduzieren!

  • Gabapentin (Antiepileptikum)
    Gute Wirkung bei Wallungen. Allerdings sind Nebenwirkungen wie Benommenheit und Schwindel nicht selten.

Muskelschmerzen und Krämpfe

Ein häufiges Problem der Antihormontherapie, insbesondere der Aromatasehemmer sind Muskelschmerzen und -krämpfe. Fast jede 3. Patientin entwickelt in den ersten 6 Monaten der Behandlung solche Beschwerden und leider führen diese, nicht selten zu einem Therapieabbruch.

Auch hier helfen regelmässige Bewegung, evtl. unter physiotherapeutischer Anleitung, und das Einhalten eines Normgewichts. Meistens braucht es jedoch auch Analgetika (Schmerzmedikamente) wie Codafalgan oder Antirheumatika (Achtung: Magen!), welche mit der Zeit wieder ausgeschlichen werden können. Studien zeigen, dass auch eine gute Versorgung mit Vitamin D die Schmerzen lindert. Eine Unterversorgung ist insbesondere im Winter bei uns sehr häufig. Die Bestimmung des Spiegels im Blut und bei Bedarf die Supplementierung mit Tröpfchen oder als Injektion, ist unbedingt sinnvoll!

Sollten trotzdem alle Massnahmen versagen, so kann ein Medikamentenwechsel auf einen anderen Aromatasehemmer oder Tamoxifen eine Lösung sein.


Intimpflege und Sexualität

Das Problem der vaginalen Trockenheit kennen fast alle brustkrebsbetroffenen Frauen. Durch den Oestrogenentzug kommt es zu einem veränderten Milieu in der Scheide mit vermehrten Infektionen sowie zum Ausbleiben des Feuchtwerdens beim Geschlechtsverkehr. Häufiger sind auch Blasenentzündungen und unkontrollierter Harnverlust.

Wichtig ist hier die vermehrte Aufmerksamkeit auf den Genitalbereich, insbesondere in Form von regelmässiger Pflege. Tägliche Anwendung von befeuchtenden Cremes und Gel helfen z.B. Multigyn Actigel, Hydro santa, Gynofit, Calendula, Colpotrophine.

Unbedingt sollte beim Geschlechtsverkehr ein Gleitmittel (z.B Pjur Med) verwendet werden, damit möglichst keine Schmerzen auftreten. Manchmal geben Frauen auch eine Verminderung der sexuellen Lust und Erregbarkeit an. Wichtig ist, dass diese Problematik in den Nachsorgekontrollen thematisiert wird, damit eine eventuelle Überweisung in eine Spezialsprechstunde möglich ist.


Langzeitfolgen der Antihormontherapie

Zu den langfristigen Nebenwirkungen der Antihormontherapie gehört die Osteoporose (Knochenschwund). Während nach der (natürlichen) Menopause bei jeder Frau die Knochenmasse abnimmt, so tritt dies unter der Antihormontherapie oft früher und beschleunigt auf. Wichtig ist eine frühzeitige Messung der Knochendichte zur Standesaufnahme ( insbesondere bei Vorliegen von weiteren Risikofaktoren) und regelmässige Verlaufskontrollen. Gleichzeitig sollte jede Frau auf eine Eiweiss - und Calciumhaltige Ernährung achten und sich regelmässig bewegen. Wiederum sollte auf eine genügende Versorgung mit Vitamin D geachtet werden.

Dr. Eliane Sarasin
Zur Verfügung gestellt
26. November 2013

zur Person

Dr. med. Eliane Sarasin

Frau Dr. Sarasin ist Gynäkologin im Brustzentrum in Zürich und spezialisiert auf die Gebiete der Senologie/Onkologie und Sexualmedizin.

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Selbsthilfe während der Chemotherapie

Mit Mikronährstoffen unterstützen Patientinnen ihre Therapie

Jede Chemotherapie ist eine große Belastung für den Körper und auch für die Seele einer Brustkrebspatientin. Umso wichtiger ist es, diese Therapie so gut wie möglich zu unterstützen. „Es ist klar, dass eine Patientin in dieser Phase auch ihre eigenen Möglichkeiten hat, die Krankheit mit zu beeinflussen“, weiß Prof. Nagel. Eine wichtige Rolle spielt dabei die ergänzende Einnahme von sogenannten Mikronährstoffen, zu denen Mineralien, Spurenelemente, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe gehören. Damit können Patientinnen einen ganz wesentlichen Teil selber dazu beitragen, die Nebenwirkungen einer Chemotherapie so gering wie möglich zu halten, bei Kräften zu bleiben und Abwehrvorgänge zu unterstützen.

Nährstoffe von vitaler Bedeutung
„Mikronährstoffe sind auch bei gesunden Menschen Basisbausteine für alle vitalen Körperprozesse“, erklärtProf. Nagel. Überall sind sie beteiligt, von der Atmung bis zum Denken oder Schlafen, und die Leber braucht sie ebenso wie die Nieren. „Sie stärken zum Beispiel das Immunsystem oder den Leberstoffwechsel, was für die Entgiftung wichtig ist; sie wirken Entzündungen, Abgeschlagenheit und Müdigkeit entgegen“, erklärt der Onkologe. Kein Wunder also, dass sie während einer Chemotherapie im Rahmen einer Brustkrebstherapie so wichtig sind. „In der richtigen Dosierung können Mikronährstoffe viele Nebenwirkungen der Chemotherapie unterdrücken. Allerdings kommt es dabei auf deren genaue Auswahl, Kombination und Dosierung an“, sagt Prof. Nagel.

Drastisch erhöhter Bedarf
Bei gesunden Menschen sorgt eine gute, vollwertige Ernährung für eine ausreichende Versorgung mit allen Mikronährstoffen. Ganz anders sieht es hingegen während der Krebstherapie aus. „Während einer Chemotherapie ist der Bedarf an Mikronährstoffen massiv erhöht. Er entspricht dann etwa dem eines Leistungssportlers“, sagt Prof. Nagel. Ohne eine vermehrte Aufnahme dieser Stoffe kommt es in dieser Therapiephase also oft zu einer Unterversorgung.

Über die Ernährung allein lässt sich das Defizit kaum mehr ausgleichen, insbesondere nicht in der optimalen Kombination aller Stoffe. „Will man Mikronährstoffe genau entsprechend des Bedarfs dosieren – wie Selen oder etwa L-Carnitin – kommt man um sogenannte chemisch reine Formulierungen nicht mehr herum“, weiß Prof. Nagel. Ergänzend kommen daher Mikronährstoffe in Form von Tabletten oder flüssigen Präparaten zum Einsatz. „Häufig bestehen die Inhaltsstoffe dieser Extrakte aus Naturstoffen, das ist praktisch gereinigte Natur“, sagt Prof. Nagel.

Besonders wertvoll in der Unterstützung einer Chemotherapie sind neben Selen und L-Carnitin zum Beispiel die Vitamine D und E, Coenzym Q10 und Omega -3-Fettsäuren.

Säfte oder Tabletten?
Kommt es während einer Chemotherapie zu Übelkeit oder Erbrechen, wird von manchen Experten zur Einnahme der Mikronährstoffe eher in Form von flüssigen Präparaten als Tabletten geraten. „Auch die falsche Kombination von Mikronährstoffen kann bereits bestehende Magen-Darm-Probleme verstärken. Die unterstützende Therapie mit Mikronährstoffen muss daher sehr sorgfältig die individuelle Patientensituation berücksichtigen“, ergänzt Prof. Nagel.

Wirksamkeit und Sicherheit
Doch wie sehr können Patientinnen darauf vertrauen, dass eine begleitende Supplementierung mit Mikronährstoffen tatsächlich helfen kann? Prof. Nagel räumt mögliche Zweifel aus: „Das ist sehr gut untersucht. Von den sogenannten komplementären Therapien gibt es kaum etwas, was hinsichtlich der Wirksamkeit wissenschaftlich so gut abgesichert ist wie die supportive Therapie mit Mikronährstoffen. Die Daten zeigen ganz klar, dass Mikronährstoffe zusätzlich zur Tumortherapie gegeben eine wichtige Wirkung haben.

„Nicht weniger wichtig ist die Frage der Sicherheit von Mikronährstoffen, speziell Antioxidanzien, wenn sie parallel zur Chemo- oder Strahlentherapie angewendet werden. Die manchmal gehörte Aussage, Mikronährstoffe würden die Wirksamkeit der Tumortherapie abschwächen ist in dieser pauschalen Form völlig aus der Luft gegriffen“, betont der Onkologe. Die wissenschaftliche Literatur zu den klinischen Erfahrungen zeige, dass eher das Gegenteil der Fall ist. Allerdings gebe es hier auch Ausnahmen. „Eine solche ist zum Beispiel die Gabe von einzelnen hochdosierten Antioxidanzien in Form der Monotherapie, räumt Prof. Nagel ein. „In der Praxis verwenden wir praktisch nur Mikronährstoff-Kombinationen, für die keine potenziellen Risiken beschrieben worden sind“.

Auch die Psyche profitiert
Wenn Patientinnen durch die Einnahme von Mikronährstoffen die Chemotherapie begleiten, ist dies nicht nur wegen der chemischen Vorteile wichtig. Die Selbsthilfe hat auch positive psychische Aspekte. Mit ihr kann der Patient die stärkende Erfahrung machen, dass er aktiv an seiner Genesung mitwirken kann: „Für mich steht es außer Zweifel, dass Krebspatienten vor allem in der Frühphase der Erkrankung wichtige und wirksame eigene Beiträge zur Krankheitsbewältigung leisten können“, sagt Prof. Nagel.

Dr. Kai Kaufmann
freier Journalist
28.03.2014

zur Person

Prof. Dr. med. Gerd Nagel

1978 wurde der internistische Onkologe Prof. Dr. med. Gerd Nagel als Ordinarius für Innere Medizin und Onkologie an die Universität Göttingen berufen. 1992 übernahm er den Lehrstuhl für Tumorbiologie an der Universität Freiburg im Breisgau, wo er auch die Klinik für Tumorbiologie gründete und bis 2003 leitete. Im gleichen Jahr erhielt er den Europäischen Wissenschafts-Kulturpreis, 2005 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Nach der Pensionierung gründete er die Stiftungen Patientenkompetenz Deutschland und Schweiz, die er bis heute leitet.

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