Die Funktionsweise von INTRABEAM ist ebenso einfach wie clever: Ein kugelförmiger Applikator wird direkt nach der Operation ohne weiteren zeitlichen Verzug in das Tumorbett eingeführt. Die von ihm ausgehenden niederenergetischen Röntgenstrahlen erreichen auf diese Weise das kritische Gewebe unmittelbar und in hoher Dosis, ohne dass andere Gewebe oder Organe beeinträchtigt werden: Die Therapie wirkt genau dort, wo sich der Tumor befand und wo das Risiko am höchsten ist, dass sich noch eventuell zurückgebliebene Tumorzellen im umliegenden gesunden Gewebe verstecken.

Im Ergebnis verkürzt der etwa 30-minütige Eingriff die Dauer der gesamten postoperativen Behandlung und senkt zudem die Wahrscheinlichkeit, dass der Krebs wiederkehrt. Wie eine Erhebung mit über 7.000 berücksichtigten Patientinnen belegt, liegt die Rückfallrate bei der intraoperativen Bestrahlung in Verbindung mit einer verkürzten, externen Strahlentherapie deutlich unter zwei Prozent – und damit fast halb so hoch wie bei einer konventionellen Strahlentherapie.

Deutlich niedrigeres Rückfall-Risiko

Dr. med. Günther Gruber, Facharzt für Radio-Onkologie und Strahlentherapie, bestätigt: „Wir gehen davon aus, dass durch den Einsatz von INTRABEAM in Verbindung mit einer anschliessenden Ganzbrustbestrahlung das Risiko einer erneuten Brustkrebserkrankung an derselben Stelle ähnlich niedrig ist wie bei einer Brustentfernung.“ Dr. Gruber ist seit 2007 Leiter des Instituts für Radio-Onkologie der Klinik Hirslanden, Zürich. Im selben Jahr wurde INTRABEAM in der Klinik eingeführt. „Der Impuls hierfür kam von der Gynäkologie“, erklärt Dr. Gruber. „Inzwischen haben wir fast 500 Patientinnen auf diese Weise behandelt und sind mit den Ergebnissen sehr zufrieden.“

Zufriedene Patientinnen

Die neue Behandlungsmethode wird auch von den Patientinnen äusserst positiv aufgenommen. „Sie sind wirklich happy mit dem ganzen Prozedere“, so der Radio-Onkologe. „Die kurze Therapiedauer sorgt dafür, dass die Frauen von dem eigentlichen Eingriff kaum etwas bemerken und im Anschluss schnell wieder in ihr Alltagsleben integriert werden können. Die physische Belastung ist durch die zielgenaue Behandlung deutlich niedriger. Und auch psychisch geht es den Patientinnen meist besser, weil durch INTRABEAM bei entsprechendem Risikoprofil keine umständlichen und nervenaufreibenden Nachbehandlungen nötig werden.“

Einfache technische Anwendung

Aus der Erfahrung heraus weiss Dr. Gruber, dass eine intraoperative Bestrahlung des Tumorbettes umso leichter fällt, je zentraler der entfernte Tumor in der Brust lokalisiert war. Doch auch in der Nähe der Haut, die durch diesen Eingriff schnell in Mitleidenschaft gezogen werden kann, wird die Fertigkeit des Chirurgen bei dem Einsatz von INTRABEAM kaum herausgefordert. Denn das Strahlengerät lässt sich durch fix vorgegebene Applikatoren leicht bedienen. „Das technische Handling ist sehr einfach“, meint der Experte. Weitere Pluspunkte im Klinikalltag: Das Gerät kann ohne aufwendige Strahlenschutzmassnahmen implementiert werden, seine zentralen Bestandteile können problemlos transportiert werden und gegebenenfalls an verschiedenen OP-Standorten zum Einsatz kommen – je nach medizinischem Bedarf und personeller Auslastung.

Bewahrung der Lebensqualität

Gleichwertige Alternativen zu INTRABEAM kann Dr. Gruber nicht ausmachen. „Andere Teilbrustbestrahlungsmethoden inklusive der Bestrahlung von aussen sind wesentlich aufwendiger für die Mediziner und Patienten.“ Auch bei einem Tumorrückfall in der Brust kann das INTRABEAM helfen: Nach der in den meisten Lehrbüchern vertretenen Fachmeinung sollte in einem solchen Fall nach einer Strahlentherapie die Brust entfernt werden. INTRABEAM hingegen ermöglicht aufgrund der gewebeschonenden Bestrahlung auch eine zweite brusterhaltende Behandlung – und unterstützt so die Lebensqualität der Patientinnen.

„Es ist unsere Philosophie, dass wir möglichst schnell und zielgenau der Patientin helfen können“, erklärt Dr. Gruber. „Deshalb setzen wir auf die intraoperativen Bestrahlung. Diese ist der wesentliche Vorteil des INTRABEAM.“

Dr. Bernhard Spring
Freier Journalist